www.domschule-bamberg.de: Aktuelles: Bayerische Regierung bricht ihr Versprechen: keine 1000 neuen Lehrerstellen

Bayerische Regierung bricht ihr Versprechen: keine 1000 neuen Lehrerstellen

Die von der Regierung geplante Verkleinerung der Schulklassen steht plötzlich wieder auf der Kippe. Welche Auswirkungen haben die Sparmaßnahmen im Bildungssektor auf die Stadt Bamberg? Die vom FT Befragten waren sich einig: "Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen"

Eigentlich hatte die Koalitionsregierung von CSU und FDP in Bayern vereinbart, pro Jahr 1000 Lehrerstellen zur Verkleinerung der Schulklassen zu schaffen. Daraus wird wohl nichts werden – zumindest sind bislang keine Gelder im Doppelhaushalt eingeplant. Auch werden immer mehr Gerüchte laut, dass die bayerische Regierung weitere Sparmaßnahmen im Bildungssektor plant. Die Lokalredaktion fragte nach, ob und welche Auswirkungen dies für Bamberg hat.

Bürgermeister und Schulreferent Werner Hipelius (CSU) sieht in den geplanten Sparplänen bislang noch keine negativen Auswirkungen auf die Stadt: „Wir sind als Kommune nur für den Sachaufwand, etwa den Unterhalt der Gebäude, zuständig. Auf den Lehreraufwand haben wir keinen Einfluss.“ Allerdings geht Hipelius davon aus, dass in den nächsten Jahren die Stadt aufgrund der sinkenden Einnahmen auf allen Gebieten sparen müsse. Im welchen Umfang, sei derzeit noch nicht absehbar. Er hoffte aber, dass das Bildungsniveau der Stadt nicht weiter sinken wird.

Das hofft auch Ulrike Heucken von den Grünen: „Sparen wir noch weiter an der Bildung, sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.“ Leider werde es in den nächsten Jahren in Bamberg nicht leichter, Geld für die Bildung aufzubringen, zumal der Freistaat immer mehr die Umlagen erhöhe und gleichzeitig die Zuschüsse streiche. Heucken: „Wenn wir jetzt den Fehler machen und an der Bildung bzw. Ausbildung unserer Kinder sparen, müssen wir in den nächsten Jahren doppelt dafür bezahlen.“ Zudem sieht die GAL-Stadträtin den Bildungsauftrag nicht nur auf die schulische Ausbildung begrenzt. „Ich befürchte, dass, wenn wir in Bamberg weiter sparen müssen, dann könnten die freiwillig Engagierten, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Bildung der Kinder beitragen, auf der Strecke bleiben.“ Als Beispiel nannte sie den Jugendkulturverein Chapeau Claque.

Eher wenig Sorgen macht sich derzeit Berthold Gehlert, Leiter der Berufsschule I: „Kurzfristig, also für das nächste Schuljahr, muss ich mir noch keine allzu großen Sorgen machen. Langfristig allerdings schon.“ Wenn die Kommunen das Sparen anfangen müssten, dann werde sicherlich auch seine Schule Probleme haben, alle Sachaufwendungen genehmigt zu bekommen. Für das kommende Schuljahr seien indes alle benötigten Lehrerstellen bewilligt. Ob es dafür jedoch genügend Bewerber geben wird, sei noch offen. Nach Meinung des Schulleiters müssten sich noch viel mehr Studenten entschließen, eine Ausbildung zum Berufsschullehrer anzustreben. „Wenn die Regierung nun allerdings anfängt, an der Bildung zu sparen, werden noch weniger ein Studium auf sich nehmen können. Auch fehlt es an Geld für notwendige Imagekampagnen, die den Berufsschullehrer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit stellen und somit den Beruf für junge Menschen interessanter machen“, sagte Gehlert.

Von der Regierung verschaukelt sieht sich der Vorsitzende des Elternbeirates am Dientzenhofer-Gymnasium, Thomas Göller: „Uns wurden von der Koalition zwar 1000 Lehrerstellen versprochen, doch selbst wenn diese jetzt voraussichtlich wieder eingespart werden sollen, bleibt generell die Frage, ob sich überhaupt genügend Bewerber für die freien Stellen gefunden hätten.“ Gerade in den Bereichen Mathematik und Physik gebe es für Gymnasien viel zu wenige Bewerber. „Konkret in Bamberg ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass Geld für Prestigeobjekte in Millionenhöhe vorhanden ist, aber beispielsweise bei Putzfrauen in Schulen gespart wird“, so Göller.

Eine falsche Einsparung sieht der Elternbeiratsvorsitzende auch im Sexualkundeunterricht, wo Pro Familia nicht weiter finanziert werde. „Ein Biologielehrer ist nur bedingt geeignet, Aufklärung zu betreiben. Oftmals reagieren Schüler bei solch sensiblen Themen auf Außenstehende besser“, bedauerte Göller. Ähnlich sei es auch mit Sozialpädagogen. Sie gehörten nach Ansicht des Elternbeirates auch an Gymnasien. „Wenn die Finanzkrise nicht gewesen wäre, hätten wir sicherlich auch endlich dieses Thema angehen können“, resümierte er.


(Artikel von Harald Rieger, erschienen im Fränkischen Tag vom 26.5.2010, Seite 9)

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